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Mein erster Triathlon

von Steffen Warias (März 2006)


Wie war das vor ca. 16 Jahren, als aus dem sozialistischen ,,Ausdauer-Dreikampf’’ (so hieß das zu DDR-Zeiten) Triathlon wurde? Ausdauersportlich überhaupt nicht vorbelastet, beobachtete ich die Anfänge in Leipzig und Roßbach. Da fuhren Leute mit Rädern, die waren zwar verkehrstauglich, aber was fehlte, war eine Gangschaltung. Es gab natürlich auch Cracks mit der besseren Ausstattung. Das war schon sehr beeindruckend. Und dann noch die Berichte von einem total verrückten Rennen auf Hawaii.

Ich war verrückt genug - also die Laufschuh an und los. Das selbst gepimpte Herrensportrad Marke Diamant (ohne Shimano) ging in Ruhestand, es gab jetzt alles. Ich war stolzer Besitzer eines Wheeler Renners, Gelb-Schwarz mit einem Kindheitstraum von einer Gangschaltung!! Nun konnte es losgehen: Trainingspläne, Umfänge, Herzfrequenz, Ruhetage - keine Ahnung! Was ich wusste, du musst laufen und Rad fahren, ach so schwimmen war da ja auch noch. Tja, WWW. – WO. WIE. WANN. Bei schönem Wetter einmal im Bruststil durchden Hassesee, kraulen müsste man können. So war der Sommer ´89 fast vorbei und mit ihm auch die Möglichkeit dieses Jahr noch eines dieser verrückten Rennen zu bestreiten. Aber ich wollte doch als Triathlet überwintern. Ah, da gab es noch einen Wettkampf Ende September in Sachsen, Sachsenring Triathlon in Hohenstein-Ernstthal, na also.

Mein Premierentag war da, kalt und bewölkt, Frau und Fahrrad in den Trabi und nun auf zu neuen Taten. Am Wettkampfort angekommen begann das Kribbeln, da waren noch mehr Verrückte die das Selbe vorhatten wie ich. Es war schon beeindruckend so viele (ca. 60) Gleichgesinnte bei ihren Wettkampfvorbereitungen zu beobachten. So nun ging es also los, Rad abstellen, Sachen sortieren mit Vaseline einschmieren, Wassertemperatur checken, Arschkalt! Startaufstellung und los ging es 750 m in einem Brust–Kraul-Mix, irgendwann wieder festen Boden unter den Füssen rang ich nach Luft als wäre ich die Strecke getaucht und es war kalt. Auf in die Wechselzone, die Badehose runter und erst mal schön abfrottiert. Nun die langen Sachen und Schuhe an. Das tat ich alles mehr im sitzen, mein Puls muss bei 200 gelegen haben. Aber ich schaffte es auf die Radstrecke, 20 km ist ja nicht so viel, ein schöner Anstieg wo ich mein Hinterteil aus dem Sattel heben musste war auch dabei. Aaahhh, ein Streckenposten mit wedelnden Armen, rechts lang, er muss es ja wissen! Oooohhh, einige Minuten später: die Gegend kennst du, hier warst du schon mal. Na klar der Start und Zielbereich, sollten das schon 20 km gewesen sein? Zweifel! Rein in den Wechselgarten, der Sprecher erzählte irgendetwas von verfahren oder Runde zu wenig, na toll Streckenposten, du Blödmann. Aber ich war nicht der erste, da stand noch ein Rad. Aufhören kam nicht in Frage! Die 5 km läufst du noch, vielleicht hole ich den anderen Verirrten ja noch ein. Das klappte zwar nicht und so wurde ich zweiter bei meinem ersten Triathlon.

Die schmunzelnden Gesichter galten zwar mir, aber das war egal. ICH WAR TRIATHLET. Meine Frau lächelte auch etwas, und für den Zweitplatzierten gab es immer noch einen Kuss. Ich glaube sie war stolz auf ihren verrückten Eisenmann. So noch umziehen, Trabi beladen und zurück nach Hause. Eines wusste ich schon auf der Heimfahrt: das wird wiederholt. Ich tat es auch wieder. Allerdings wusste ich dann, dass es Wettkampfeinweisungen und Streckenpläne gibt.

erster_tria_steffen1.jpg erster_tria_steffen2.jpg


Zurückaktualisiert: 2014/02/03

 
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