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150 Mann über Bord!


Susan wird Landesmeisterin


13. August, Arendsee

mh| Keine 10 Minuten dauert die Fahrt mit dem Raddampfer auf die Mitte des Arendsee hinaus. Nur eine kurze Zeit, wenn man weiß, dass man dann über Bord springen und mehr als 1 Kilometer an Land schwimmen muss. Jedoch waren die 150 Passagiere am letzten Wochenende keine gewöhnlichen Touristen, sondern die Starter des 14. Arendsee Triathlon. Wer das nicht genau wusste, der wird sich mächtig über die zahlreichen Pinguine entlang der Reeling gewundert haben, denn aufgrund der kühlen Temperaturen des Sees hatten nahezu alle Starter einen Neoprenanzug als Kälteschutz angezogen.

Kaum an der Startmarkierung angekommen, ging es mit einem mutigen Sprung vom Bug und Heck des Ausflugsdampfers in das knapp 18 °C warme Wasser. Dabei glänzte unser Tangermünder Freund Steffen Rarek als “First in Water”. (Mit “First out of Water” sollte er dann wenig später - ja, genau wie wir - traditionsgemäß nichts zu tun haben.) Aufgrund der geringen Temperatur war die Schwimmstrecke auf 1000 m verkürzt worden. Doch ehe sich alle hinter der gedachten Startlinie eingeordnet hatten, vergingen dann noch einmal ein paar Minuten. Die einen streckten ihre Nase so weit wie möglich in Richtung Ufer, um so die vielleicht entscheidenden Millimeter gut zu machen. Andere wiederum zogen noch ein paar Meter rücklings zur gemütlichen Erwärmung. Eine lange Wartezeit für die Wenigen ohne Neoprenanzug. Darunter auch Susan Luft vom Stadtwerke Team Merseburg. Aber irgendwann war es dann doch so weit und sie konnte sich genau wie ihre 4 Teamkameraden Thomas Baier, Johannes Leutholf, Andreas Busch und Michael Hartung auf den Weg gen Ufer machen.

Die Strecke verlief im Prinzip schnurstracks geradeaus. Das Wasser war relativ ruhig und so sollten eine große gelbe Hüpfburg am Strand oder ein Kirchturm doch wohl ausreichende Orientierung sein!? Aber ganz so einfach war es dann in der Hektik des Wettkampfs doch nicht, den richtigen Kurs zu halten. Eine vollgelaufene oder beschlagene Schwimmbrille ließen manchen durch das Feld schlingern und ein paar Extrameter schwimmen. Was soll man auch machen, wenn man auf dem linken Auge alles dreifach und auf dem rechten alles nur undeutlich sieht? Kaum an Land angekommen, wurde noch im vollen Lauf die Sehfähigkeit wieder hergestellt und der Neoprenanzug heruntergezogen. Die bösen Stufen hinauf zum Wechselgarten ließen noch einmal den Puls nach oben gehen. Doch an eine Verschnaufpause war überhaupt nicht zu denken.

Johannes stand bereits abfahrbereit am Rad und haderte noch ein wenig mit seiner Ausrüstung, ehe Michael angeschnauft kam. Gleiches Spiel wiederholte sich kurz darauf mit Thomas. Innerhalb von einer Minute gingen die 3 auf die Radstrecke. Susan folgte als 4. unserer Starter, wurde dann aber auf dem Rad von Andreas überholt. Vorne hatte Thomas nach 6 Kilometern wie erwartet Michael eingeholt, kam allerdings bis zum Wendepunkt noch nicht entscheidend weg. Sicher lag das auch an der größeren Gruppe die auf Michael aufgefahren war. Dadurch war das Tempo ständig hoch und selbst ein quer über die Straße gestellter Bagger konnte daran nichts ändern. Dass man die Gruppe zwar wieder überholen konnte, nur um sich dann nach 300 m wieder am Ende wiederzufinden, wurde schnell klar. Die Kampfrichter hatten an dieser Fahrweise offenbar wenig auszusetzen und so ging es weiter gut voran. Das Ganze fand allerdings ein rasches Ende, nachdem Michael einmal etwas geträumt hatte und dadurch den Anschluss verlor. So ging es eben allein zurück! Genau wie für Johannes und Thomas. Diese beschleunigten ihre Carbonrenner noch einmal auf dem Weg zurück und vergrößerten den Vorsprung auf über 3 Minuten. Damit waren die Abstände aber immer noch so gering, dass sich beim Laufen alles ändern konnte.

So motiviert gingen alle Drei die Runde um den Arendsee an. Inzwischen war die Sonne heraus gekommen, aber die Bäume entlang des Ufers boten fast ständig Schatten. Optimale Bedingungen für den Showdown. Für Michael lief es am Besten und er machte Position um Position gut. Doch inzwischen waren schon 5 Kilometer vorbei und noch immer keiner der Teamkameraden in Sicht. Ein letztes Mal einen kühlenden Schwamm über dem Kopf ausgedrückt und noch einmal (gefühlt) beschleunigt. Schließlich tauchte dann doch ein schwarzes Stadtwerke-Trikot auf. Entgegen aller Erwartungen war es jedoch Johannes und nicht Thomas der da lief. Offensichtlich hatte er einen ganz schlechten Tag erwischt und wurde nach hinten durchgereicht. Am Ende reichte es für Thomas und er rettete eine Minute vor Michael.

Trotzdem standen die beiden mit einem weinenden und einem lachenden Auge im Ziel, schließlich reichten ihre Leistungen jeweils nur für den 4. Platz in der Altersklassenwertung der Landesmeisterschaften. Johannes hingegen konnte sich über eine “nachträgliche Bronzemedaille” freuen, da er die Siegerehrung mit Autopacken verbrachte. Das machte Susan besser und sonnte sich auf der obersten Stufe des Landesmeisterschaftspodiums. Insgesamt war sie viertbeste Frau des Wettkampfs und kann sich schon jetzt über eine Einladung zum Sportlerball im nächsten Jahr freuen. Freude über sein Finish (ohne “c”!) im hinteren Mittelfeld war auch Andreas anzumerken.

Der Ausflugsdampfer gehört inzwischen wieder den Touristen, von denen ganz sicher niemand (freiwillig) über Bord gehen wird! Die alte “Queen” wird nun 364 Tage Rentner und andere Ausflügler über den See schippern, ehe es wieder “150 Mann über Bord” heißt!

*** Nachtrag ***
Gar nicht so einfach mit den vielen Wertungen?! In jedem Fall wurde die Wertung des Arendsee-Triathlons noch einmal korrigiert: Susan ist nun "nur" noch Vize-Landesmeisterin und Johannes durfte sich - nachdem er auf Rang 5 zurückgesetzt wurde - nur 3 Tage über "seine Bronzene" freuen. Also weitermachen! Die einzigen Konstanten waren Thomas und Michael.



Zurückaktualisiert: 2014/02/03

 
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